OT: »Autobiografija«, 1921
Aus dem Litauischen von Claudia Sinnig
Mit einem Nachwort von Ramunė Bleizgienė
Und mit einem Text von Johannes Bobrowski
ca. 240 Seiten, € 25 [D] | € 25,70 [A]
Gebunden, fadengeheftet und mit Lesebändchen
ISBN 978-3-912259-01-8

Erscheinungstermin September 2026

Und ich dachte für mich. Autobiographie

Žemaitė

Žemaitė (1845–1921) wurde in eine polnischsprachige kleinadlige Familie in der westlitauischen Žemaitija geboren (nach der sie ihren Kunstnamen wählte) und fühlte sich zeitlebens dem einfachen Landleben nahe. Gegen den Willen ihrer Eltern heiratete sie einen Litauer, einen ehemaligen Leibeigenen. Mit fast 50 Jahren begann sie auf Litauisch zu schreiben: Geschichten über meist bäuerliche Frauenschicksale. Das Kopftuch nahm sie aus Solidarität mit der Landbevölkerung nie ab: Es wurde zum ikonischen Signum ihrer Erscheinung. Über soziale Verhältnisse und politische Umbrüche hinweg setzte sie sich für die Verbesserung der Lage der Frauen und eine Modernisierung der Gesellschaft ein.

Ihre Prosa ebenso wie ihre erstaunliche Autobiographie verfasste sie in mündlichem Ton, auf Litauisch mit žemaitischem Gepräge und polnischen, weißrussischen, russischen, jiddischen und deutschen Einflüssen. Was sie zu erzählen hatte, formulierte sie so, dass die Menschen sie verstanden. Allein das war schon ein politischer Akt, denn das Polnische galt als Sprache des Adels und der Oberschicht, und das Russische Reich versuchte, das Litauische und die lateinische Schrift aus der Öffentlichkeit zu verbannen. Žemaitė war ein freiheitsliebender Geist – wenn es etwa um Frauenrechte ging oder um Religion und Ethik. Claudia Sinnig folgt in ihrer Übersetzung akribisch den sprachlichen Spuren, in denen sich die Ideen- und Sozialgeschichte niederschlägt, und bringt den humorvollen Erzählreichtum in eine lebenssatte deutsche Sprache, die über den Weg einer bis heute aufregenden Feministin vor der Zeit und über deren Lebens- und Liebesumstände Auskunft gibt.

Erscheinungstermin September 2026

»Ich habe mich immer nach dem Lesen gesehnt, aber nirgendwo hat es genug Bücher für mich gegeben.«

Žemaitė

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Žemaitė

Žemaitė (bürgerlicher Name: Julija Beniuševičiūtė-Žymantienė, 1845–1921) stammte aus niederem, polnischsprachigem Landadel, doch das einfache Leben der žemaitischen Bauern zog sie an. Elementare Bildung erhielt sie, ausschließlich in polnischer Sprache, zunächst durch ihren Vater und später durch Privatlehrerinnen auf dem Gut einer Tante. Žemaitė erlebte die politischen Umbrüche ihrer Zeit, etwa den Januaraufstand 1863/1864 gegen die brutale russische Fremdherrschaft und die nationalen Erweckungsbewegung Litauens. Mit einem litauischsprachigen ehemaligen Leibeigenen gründete sie eine Familie. Trotz der stets prekären bäuerlichen Existenz und der vielen Kinder hat sie ihre autodidaktischen Bemühungen nie aufgegeben. Nach dem Tod ihres Mannes veröffentlichte sie mit knapp 50 Jahren ihr erstes Werk, fortan verfasste sie insgesamt mehr als 350 Erzählungen, Novellen, Reden und Theaterstücke. Im Schreiben widmete sie sich den Verhältnissen, die sie aus ihrem eigenen Leben kannte: harte Arbeit, Kinder, Natur, Alltagsbräuche, Ohnmacht und Ermächtigung der Frauen. Nach der Jahrhundertwende reiste sie bis in die USA und nahm an verschiedenen internationalen Frauenkongressen teil.

Claudia Sinnig

Claudia Sinnig, 1965 geboren, aufgewachsen in Gotha. Sie studierte Russisch und Englisch in Leipzig sowie Litauisch in Vilnius. 1989 war sie Mitbegründerin des Lithuanian Review, der ersten unzensierten englischen Zeitung Litauens, 1990 Mitarbeiterin für das erste frei gewählte litauische Parlament. Seit 1992 ist sie freie Autorin und Übersetzerin. Sie übersetzte u. a. Tomas Venclova, Jonas Mekas, Eugenijus Ališanka, Sigitas Parulskis und Antanas Škėma. Claudia Sinnig lebt in Wuhden im Oderbruch.

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